Braille without borders the right to be blind without being disable


NEU
Lesereise 2007


JAHRESBERICHT 2006


interview Sabriye Tenberken & Paul Kronenberg


PROJEKT KERALA

- Konzept
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PROJEKT TIBET
- Konzept
- Besuchszeiten Lhasa

- Info Förderkreis

Unterstützung:
- Spende
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Info Bücher:
- NEU: Das siebte Jahr
- Mein Weg führt nach Tibet
- Tashis neue Welt


- Bericht Mai 2006
- Jahresbericht 2005
- Jahresbericht 2004

- Reisebericht Geschaeftsfuehrerin

- Bericht Ladakh

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 JAHRESBERICHT 2006

Liebe Freunde und Förderer des Blindenzentrums Tibet und  der Organisation Braille Ohne Grenzen,

In diesem Jahr sind wir mehrmals um die Welt geflogen, um Spenden für die Zukunftssicherung des Tibet-Projektes, wie auch für den Bau des internationalen Trainingszentrums in Kerala zu sammeln. Trotz der mittlerweile großen weltweiten Medienpräsenz der Organisation Braille ohne Grenzen fällt es uns immer noch nicht leicht, die notwendigen finanziellen Mittel zusammen zu bekommen. Ein regelmäßiger Beitrag, wie z. B. eine Mitgliedschaft ist uns eine große Hilfe. Auch im Namen der blinden Kinder Tibets möchten wir uns ganz herzlich für Ihre wertvolle Hilfe bedanken, und möchten Sie bitten, weiterhin dem Projekt treu zu bleiben und auch andere Interessierte als Mitglieder zu werben.

Aus einem winterlich kalten, aber doch sonnigen Tibet wünschen wir ihnen ein frohes neues Jahr 2007.

                                         Mit herzlichen Grüßen,

                                                     Ihre Sabriye Tenberken, Ihr Paul Kronenberg

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Unser Blindenzentrum in Lhasa

Heute ist Frauentag in Tibet, nicht der internationale, sondern ein tibetischer Feiertag, der seine eigenen Traditionen kennt. Frauen und Mädchen, selbst die Kleinsten haben das Recht, den Männern und Jungen Geld abzuknöpfen. Auf den Straßen und Plätzen Lhasas stellen Frauen und Mädchen sich selbstbewußt den vorbei marschierenden Männern in den Weg und lassen sie nicht eher gehen, bis der Wegzoll bezahlt wird. In allen Läden, Cafes und Restaurants trifft man daher auf hektische Männer die größere Yuanscheine in Kleingeld umtauschen.
"Eine unsinnige Tradition!" schimpft ein Tourist, "Frauen haben doch hier in Tibet sowieso alle Macht!" Auch wenn das nicht ganz zutrifft, trifft seine Aussage doch einen wahren Kern. Verglichen mit anderen Kulturen haben Frauen in der tibetischen Gesellschaft eine recht starke und gleichberechtigte Stellung. Niemand wundert sich über Frauen als Schuldirektorinnen, Business-Managerinnen oder Frauen in hohen Regierungspositionen. Frauen arbeiten in Anwaltsberufen, verdienen ihr Geld als Taxifahrerinnen und leiten große landwirtschaftliche Betriebe, Berufe die im benachbarten Nepal lediglich den Männern vorbehalten sind. Auch in unserem Projekt sind es vor allem die Frauen, und hier handelt es sich besonders um die beiden neuen blinden Lehrerinnen Kyila und Yudon, die die Organisation des Zentrums in die Hand genommen haben, die mit Regierungsstellen verhandeln und (jetzt wieder aktuell) Streitigkeiten mit Nachbarn ausfechten. Zusammen mit einem tibetischen Anwalt, der sich pro bono für die Belange des Blindenzentrums einsetzt, haben sie zwischenzeitlich einen ungenehmigten Bau stoppen können. Ein Nachbar will ein vierstöckiges Hotel bauen, das dem Innenhof und dem Wintergarten alles Sonnenlicht nehmen würde. Kyila und Yudon beharren standhaft auf ihrem Recht, doch der Anwalt bleibt skeptisch: "Was bedeutet schon ein Gesetz in einer Gesellschaft, in der das Zivilrecht noch in der Pubertät steckt und von den wenigsten ernstgenommen wird."

Die neue Eigenständigkeit

Das Projekt des Blindenzentrums Tibet, das von Anfang an als „Hilfe zur Selbsthilfe“ angelegt war, ist in diesem Jahr in seine entscheidende Phase getreten. Wichtige Aufgaben, die bisher in unserem Verantwortungsbereich lagen, wie Buchführung, Unterrichtsplanung, Erstellung von Lehr- und Lernmaterialien und Behördengänge werden bereits weitgehend von unseren Mitarbeitern übernommen.
Dieser wichtige Schritt zur Selbstständigkeit geht nicht ganz schmerzfrei vonstatten. Einige Mitarbeiter, die mit dieser neuen Eigenständigkeit und größeren Verantwortung nicht zurecht kamen, haben sich aus dem Projekt zurückgezogen. Inzwischen haben ehemalige Schülerinnen und Schüler des Blindenzentrums ihre Plätze eingenommen. Die jungen Kollegen sind hoch motiviert und engagiert. Sie entwickeln ihre eigenen Unterrichtsmodelle und schaffen so eine neue Struktur. Das große Engagement und der Ideenreichtum der neuen Lehrkräfte stößt bei den Alteingesessenen allerdings nicht auf Gegenliebe. „Sie sind noch zu jung!“ beklagt sich eine langjährige Lehrerin über die neuen Kollegen, die einmal zu ihren ersten Schülerinnen und Schülern zählten. „Wie alt darf man sein, um Ideen zu entwickeln?“, kontert Kyila, die gerade mit vielen Anregungen von einem einjährigen Auslandsaufenthalt in England an die Schule nach Lhasa zurückkam. Kyila und Yudon, (letztere auch eine ehemalige Schülerin, die zwischenzeitig auf eine reguläre Schule ging), haben den Englisch- und Chinesisch-Unterricht revolutioniert. Sie haben neue Lehrmittel angeschafft und die „Mauseklasse“ (die Frühförderung) vollkommen umgestaltet. Gyenzen, ebenfalls ein ehemaliger Schüler, leitet die Braille-Druckerei und sorgt dafür, dass alle blinden Schüler der Regelschule rechtzeitig mit Braille-Lehrmaterialien versorgt werden.  Die jungen Mitarbeiter – sie werden „die Dreierbande“ genannt – versuchen mit neuen Regeln über Jahre eingeschliffene Routinen aufzubrechen.   „Wer fehlt, muss vertreten werden, und die Vertretung muss dafür von der fehlenden Person entschädigt werden.“ „So strikt ging es noch nie zu.“ murrt die langjährige Köchin. „Ich sehe nicht ein, mich von meinen eigenen Schülern maßregeln zu lassen.“ beschwert sich eine der Lehrerinnen.  „Wenn wir das Projekt ohne Paul und Sabriye weiterführen wollen, müssen wir jetzt alle zusammenarbeiten.“, so die „Dreierbande“, die äußerst überrascht und zerknirscht auf den Unmut der älteren Mitarbeiter reagiert. Paul und ich bemühen uns, uns so weit wie möglich aus solchen internen Konflikten herauszuhalten, freuen uns aber über den neuen Wind, die gute Laune der jungen Lehrer, die ohne Frage sich auf die ganze Schule auswirkt und hoffen inständig, dass sie sich zwar von ihren älteren Kollegen beraten, aber niemals bremsen lassen.


Massageklinik 

Massage clinic banner

Die Massageklinik ist an die Ausbildung zur dreijährigen medizinischen Massage- und Physiotherapie angegliedert. Sie wurde vor einigen Jahren von den ersten Absolventinnen Kyila und Diggi eingerichtet. Später kamen nach bestandener Prüfung Tenzin, Tashi und Drolma dazu. Sie haben weitere Räume angemietet und sie nach ihren Bedürfnissen ausgebaut. Heute bietet die Klinik  ihren Patienten / Kunden chinesische Massage, Physiotherapie, Tai-Massage, Akkupressur und Ölmassage. Die Klinik befindet sich im Zentrum Lhasas auf der Beijing Dong Lu gegenüber dem Kyichu-Hotel. Besonders für Touristen ist die Klinik eine Attraktion. Dem entsprechend wird in den Hotels und Restaurants Werbung gemacht. Wie das Blinden-Zentrum, so hat auch die Massageklinik den Übergang zur Selbstständigkeit recht erfolgversprechend geschafft. Seit diesem Sommer wird die Klinik nicht mehr durch Braille-ohne-Grenzen bezuschusst. Auch Buchführung und Management haben die blinden Masseure übernommen.
Man wollte einen Manager und einen Buchführer wählen. Zunächst gab es jedoch unterschiedliche Ansichten darüber, wie ein Manager beschaffen sein muss und welche Aufgaben er oder  sie übernehmen soll.
Zu Beginn war klar, das Amt des Managers müsse an den oder die Älteste gehen. Er oder sie solle am meisten verdienen, brauche aber am wenigsten zu arbeiten. Genau so kennt man es hier in Tibet aus anderen Betrieben.

Nach längeren Überlegungen kam man jedoch darauf, dass es eigentlich sinn er wäre, einen Manager zu wählen, der selbst viele Ideen hat, die anderen mitreißen kann und auch als Sprachrohr für die Klinik fungiert. Daher schien es ihnen dann doch als vorteilhafter einen manager zu wählen, der gerne mit Touristen, Hoteleigentümern und Regierungsbeamten verhandelt und keine Scheu hat, englische und chinesische Sprachkenntnisse anzuwenden. Also wählte man gerade den jüngsten, den 17-jährigen Lobsang aus Lhatse. Das Amt des Buchführers, da waren sich alle einig, sollte Tenzin übernehmen. Er sei in Geldfragen immer sehr korrekt. Lobsang und Tenzin stürzten sich gleich mit Feuereifer auf ihre neuen Aufgaben. Sie organisierten ein Leucht-Werbe-Plakat an der Außenwand der Klinik (s. Bild oben) und machten Interviews mit verschiedenen Radio- und Fernsehstationen, und tatsächlich läuft die Massage-Klinik nun erfolgreich in reiner Selbstverwaltung.

Die Trainingsfarm in Shigatse

Neue Schüler in der Selbstintegration
In der Nähe der Trainingsfarm gibt es eine kleine Dorfschule, in der seit einem Jahr Dachung, Panden, Gyurmi und Norbu unterrichtet werden. Die Dorfschullehrer waren von den blinden Schülern so begeistert, dass sie uns fragten, ob wir noch weitere solcher Schüler schicken könnten. Tatsächlich gab es am Blindenzentrum (in unserer Schule) eine große Gruppe von Schülern, die auf ihre Einschulung in eine Regelschule warteten. Die Schule in Metrogonga weigerte sich jedoch weitere Schüler aufzunehmen. Und so kam die Anfrage aus Shigatse sehr willkommen. Sieben neue Schüler wurden getestet und in die dritte und vierte Grundschulklasse eingestuft. Alle fanden schnell Anschluss und kommen im Unterricht gut mit. Laut Mike sind sie auch für die Atmosphäre in der Farm eine große Bereicherung.

Farm Pelshong

Neue Tiere
Die Trainingsfarm hat zusätzlich Tiere bekommen. Fünf lokale Milchkühe, ein neues Fohlen (das sechste Pferdchen) und 18 neue Welpen, die von den Integrationsschülern adoptiert und an die Herausforderungen des Lebens nach allen Methoden gewöhnt werden. Der Lieblingshunde-Trainingsplatz ist die Fitneshalle und dort besonders das Laufband. Die Welpen werden auf das Laufband gestellt und dann wird angeschaltet. Trainiert werden zunächst die Hinterpfoten, dann die Vorderpfoten und schließlich dürfen die kleinen Hunde auf vier Pfoten rennen. Wir waren zunächst entsetzt, doch dann erklärte uns Mike, dass die Welpen es mittlerweile nicht mehr abwarten können, in den Fitnessaal gelassen zu werden.

Eco-San-Toiletten
Um menschliche Fäkalien optimal für den landwirtschaftlichen Betrieb nutzen zu können, entschieden wir uns für ein Toilettensystem, das von der deutsch/niederländischen Organisation Ecosan entwickelt und erfolgreich in zentralasiatischen Ländern getestet wurde. In diesen Toiletten werden die Fäkalien und der Urin von einander getrennt gesammelt. So können die Fäkalien schneller fermentiert und als natürlicher Dünger genutzt werden. Der Urin wird in einem Tank gesammelt und kann ebenfalls nach einigen Wochen frei von Krankheitserregern als Dünger auf den Feldern verwendet werden.
Die Schülerinnen und Schüler der Trainingsfarm wurden einzeln in die angemessene Nutzung eingewiesen. Sie verstehen, dass alle organischen „Abfälle“, wie auch menschliche Fäkalien, einen großen Wert für die Landwirtschaft darstellen.
Nähere Informationen über das Konzept Ecosan finden Sie im Internet unter http://www.ecosanres.org

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          Hunde Fittness               Kyila unterrichtet die Mause Klasse         Dawa fuettert unsere Kuehe

Kompostierungsanlage
In diesem Herbst wurde die Kompostierungsanlage fertiggestellt. Sie besteht aus zwei überdachten Arbeitsbereichen. In der Mitte befindet sich eine offene Durchfahrt für Traktor und Schubkarren, damit organisches Material gleich zu den entsprechenden Arbeitseinheiten transportiert werden kann. Auf der einen Seite der Anlage befinden sich die Häcksel-Maschinen. Es handelt sich dabei um zwei kleine und zwei große Häcksler und zwei Verfeinerungsmaschinen, je nach Größe der organischen Materialien. Auf der anderen Seite der Durchfahrt werden große rechteckige Tröge eingebaut, in denen der Kompost gewendet wird.

Quadratmeter-Garten 
Mike konstruierte in diesem Sommer neue Kleingewächshäuser mit einer Tiefe von einem Meter. Diese sog. Quadratmetergärten können von Blinden eigenhändig bestellt, gepflegt und sogar selbst gebaut werden.
 
Lehrgang zur Milchvieh-Haltung
Ein deutscher Tierzucht-Experte, Boris Schiele, unterrichtete die lokalen Mitarbeiter und einige unserer Schüler in speziellen Fütterungsprogrammen, im Melken und in der Mistverarbeitung.
Der Schwerpunkt des Trainings lag jedoch in der Milchwirtschaft. Zur Fütterung der Tiere produzieren wir unser eigenes Getreide. In dieser Weise können wir die Qualität der Milch garantieren. Durch die veränderten Futterbedingungen hat sich die Milchproduktion bereits beträchtlich erhöht. Infolgedessen nimmt auch die Käseproduktion, die im Herbst 2005 angelaufen war, langsam an Quantität und an Qualität zu. Zur Zeit verkaufen wir den Käse in Lhasa und Umgebung. Ein Freund aus Shanghai ließ unterschiedliche Käsesorten unserer Käserei in einem französischen Delikatessengeschäft testen. Man bewertete sie mit „gut“ bis „sehr gut“ und möchte mehr in der Zukunft einkaufen. Wir hoffen durch den Käseverkauf so viel Einkommen zu erzielen, dass zumindest ein Teil der laufenden Kosten damit gedeckt werden kann.

Totnes School of England
In diesem Jahr haben 3 unserer ehemaligen blinden Schülerinnen und Schüler ein Auslandsstudium in Europa erfolgreich durchführen können.  Kyila besuchte für ein Jahr „the Totnes school of English/intermediate und anvanced intermediate studies“ und Nyima in der gleichen Einrichtung für eineinhalb Jahre den pre-intermediate-Kurs. Sie lernten zusammen mit sehenden Europäern und Asiaten. Ihre Lernmaterialien in Braille erhielten sie zum Teil aus unserer hauseigenen Druckerei und zum Teil von der RNIB. Wie ihre sehenden Mitschüler wurden sie in einheimischen Familien untergebracht und lernten bald, sich in der Kleinstadt Totnes eigenständig zurecht zu finden. Beide fanden schnell Anschluß und kamen, auch Dank des großen Engagements der Lehrer und Gastfamilien, gut bis sehr gut im Unterricht mit. Kyila und Nyima sind beide sehr selbstständig und so unternahmen sie kleinere und größere Reisen z. B. nach London auf eigene Faust. Cornelia van der Horst-Tenberken besuchte die beiden regelmäßig und war Zeugin eines stetigen Fortschritts.
Während ihres Englischstudiums äußerten Kyila und Nyima Wangdu den Wunsch, auch einige Einrichtungen für Blinde aufzusuchen, um sich Anregungen für das Blinden-Zentrum in Lhasa zu holen. Wir hatten zunächst Bedenken, glaubten wir doch, sie empfänden ihr eigenes Zentrum in Tibet im näheren Vergleich als rückständig. Überrascht waren wir allerdings über ihre Reaktion: Beide waren wie erwartet begeistert von den Computeranlagen und schwärmten von den Computerkenntnisen der englischen Schüler, amüsierten sich jedoch über die modernen Spielereien, wie Geräte, die anzeigen, ob ein Glas voll ist, oder andere die angeben ob es draußen gerade regnet oder die Sonne scheint. Dann aber erklärten Kyila und Nyima einstimmig: Blinde, die in Tibet zur Schule gehen, seien den britischen Blinden, die sie während ihres Auslandsaufenthaltes getroffen hätten, in mancherlei Hinsicht weit voraus, nämlich im Lesen und Schreiben der Brailleschrift. „Sie arbeiten nur noch mit Hörbüchern und Sprachausgabe,“ so Nyima, „das hat mit richtigem Lesen überhaupt nichts zu tun!“  Kyila fügt  hinzu, dass die tibetischen Blinden im Unterschied zu den englischen keine Scheu haben, den weißen Stock als Hilfsmittel einzusetzen. „Die Blinden in England wollen wohl nicht auffallen und können sich daher nicht vorstellen, dass man als Blinder unabhängig und alleine reisen kann.“ 

Kaesetraining in Holland

                            Norbu und Chungla in der Kaesefarm "De Heileuver" in Holland

Norbu und Chungla im Käseparadies Holland
Norbu, 16 Jahre alt, Schüler der ersten Generation, reiste im September diesen Jahres zusammen mit Chungla, einer langjährigen Mitarbeiterin für sechs Wochen in das ostholländische Ommen, um bei Marinus und Joke Post das Käsehandwerk zu erlernen. Marinus erzählte begeistert von der engagierten Mitarbeit der Tibeter, und Norbu und Chungla zeigten sich bei ihrer Rückkehr nicht weniger darüber begeistert, was sie alles in der kurzen Zeit gelernt hatten.
Die beiden wurden in Herstellung unterschiedlicher Käsesorten, Handhabung spezifischer Gerätschaften und Kuhhaltung ausgebildet. Mike, unser kanadischer Mitarbeiter in der Farm ist nun glückliche Testperson ganz neuer Käsesorten. Käse mit Zwiebeln, Knoblauch und einheimischen Kräutern, Käse mit sonnengetrockneten Tomaten, mit Nüssen usw. Die Experimentierfreude der beiden tibetischen Senner kennt keine Grenzen.

Ladakh:
Für ein Blinden-Zentrum in Ladakh wurde in diesem Jahr endlich, dank der Hilfe von Kelsang Dodin, von Regierungsseite ein Stück Land zur Verfügung gestellt. Die Organisatoren des Blinden-Zentrums werden zukünftig mit dem Zentrum Mahabodhi zusammenarbeiten. Dort wurde bereits eine kleinere Schule für Blinde eingerichtet. Braille ohne Grenzen wird dieses Unternehmen so gut wie möglich unterstützen.

Kerala:
Der Bau des Internationalen Zentrums für Entwicklung und Projektplanung  („International School for Development and Projectplanning“ ISDEP ) ist in vollem Gange. Das Zentrum befindet sich an einem Süßwassersee, etwa 10 km von Trivandrum entfernt. Es wird im ökologischen Stil gebaut, mit Regenwasser-Speichersystem, mit Biogas-Anlage, einer Solar- und eventuell auch einer Windenergie-Anlage.
In diesem Zentrum werden zukünftige Blinde und Sehbehinderte, Projektorganisatoren/Initiatoren aus aller Welt ausgebildet, um in ihren Heimatländern und Regionen soziale Projekte aufzubauen. Die Ausbildung dauert ein Jahr und beinhaltet Kurse im Fund-Raising, im PR-Bereich, Management, Projektplanung, IT-Kommunikation und Englisch.

Konstruktion in Kerala

Mitarbeiter des Trainingszentrums sind Raja Bhadresh, Tigi Phillip und Renjith. 

Raja Bhadresh: Mitgründer
Bhadresh ist ein sehr engagierter Mitgründer des Charity Trust Braille Without Borders in Trivandrum. Er ist manager einer Werbe-agentur. Er kümmert sich um die offiziellen Papiere des Projektes.

Tigi Phillip: Geschäftsführerin
Tigi Phillip ist studierte Betriebswirtin und stammt aus Kerala. Sie spricht Hindi, die Regionalsprache Malayalam, Englisch und Deutsch. Sie unternimmt Gespräche mit Regierungsbeamten, sorgt für die Anerkennung des Zentrums durch das lokale Kultusministerium. Tigi ist dabei, geeignetes Personal, Lehrer und einen zukünftigen Direktor ausfindig zu machen.

Renjith: Bauaufsichtsleiter
Renjith überwacht die Baumassnahmen und schickt wöchentlich Berichte und Fotos vom Fortschritt der Baustelle in Trivandrum.
Weitere Informationen über das ISDeP Zentrum finden Sie unter www.blinden-zentrum-tibet.de

Und hier noch einige neuere Ereignisse

Erste Spendensammlungsaktion in China:
Vier Schüler reisten im September nach Shenzen, um dort bei einem großen Bau-Unternehmen das Projekt durch Lieder, Tänze und Reden vorzustellen. Die vier wurden zusammen mit unserer Köchin als Begleitperson zu einer Feier des bekannten Bergsteigers Wang She eingeladen, der das Projekt bereits unterstützt hat und auch in der Zukunft weiterhin unterstützen will. Die blinden Kinder hatten  die Möglichkeit, das chinesische Meer kennenzulernen.

Neue Augen
Nyima Wangdu ließ sich während seines Europa-Aufenthaltes an den Augen operieren. In Deutschland bei Herrn Rothhaupt und in England bei Dr. Vicky Lee und Katie Morgan. Er ist nun stolzer Besitzer von schwarzen, eindringlich funkelnden Glasaugen und einem T-Shirt mit der Aufschrift “I look good on the Dancefloor!”

Marketing Kurs
6 Schüler des Blinden-Zentrums und 2 Mitarbeiter nahmen im Sommer an einem umfassenden Marketing-Kurs teil. Unter der Leitung des Business-Experten Matthew McGarvey entwickelten sie Ideen zur langfristigen Sicherung des Projektes. U.a. entstand die Idee zu einem Hotel, das nur von Blinden entworfen und später geleitet werden soll.

Delegation aus Nord Korea
Die Organisation Handicap International lud eine Delegation Offizieller, die sich um die Belange nordkoreanischer Behinderter kümmert, nach Tibet ein und brachte sie auch in unser Zentrum. Die Begegnung war herzlich und die Nordkoreaner begegneten unseren Konzepten mit großem Interesse. Der Kontakt soll aufrecht erhalten bleiben.

Dokumentarfilm : "Blindsight"
Der Dokumentarfilm Blindsight, ein Film über die Lhakpa Ri - Besteigung mit dem blinden Bergsteiger Erik Weihenmayer und 6 unserer blinden Schüler im Herbst 2004, hatte am 11. September in Toronto Weltpremiere. Dank der großen künstlerischen Fertigkeit des Cutters Sebastian Duthys, des Filmkomponisten Nitin Sawhney, der Regisseurin Lucy Walkers und des Engagements der Produzentin Sybil Robson, ist es ein phantastischer Film geworden, der nun verdienterweise für den Oskar vornominiert wurde. Wir drücken ihm alle Daumen!   Mehr Info: http://www.blindsightthemovie.com

Cover "Das siebte Jahr"
Neues Buch ,Das siebte Jahr"
Mein neuestes Buch „Das Siebte Jahr / von Tibet nach Indien“ ist endlich erschienen. Auch in diesem Buch geht es um die Bergbesteigung. Das Haupt-Thema ist jedoch unsere Sicht auf die vergangenen sieben Jahre in Tibet. Es geht auch um die Veränderungen der letzten Jahre in Tibet, und es geht im Besonderen um die teils erschütternden, aber auch ermutigenden Hintergrundgeschichten der 6 uns begleitenden Jugendlichen.
Das Buch gibt es HIER

Preise und Anerkenning
Die Organisation Braille ohne Grenzen hat in diesem Jahr wieder einige wichtige Auszeichnungen erhalten.
- Chomolangma Award, eine Auszeichnung der Autonomen Region Tibet
- National Friendship Award, eine der höchsten Auszeichnungen der chinesischen Regierung,
  vergeben an in China  arbeitende Ausländer.
- Mother Teresa Award, eine Auszeichnung, die weltweit einmal im Jahr an sozial engagierte
  Organisationen und Persönlichkeiten vergeben wird. Andere Preistträger in diesem Jahr sind u. a. 
  Andrea Bocceli, Václav Havel, Nelson Mandela und Tenzin Gyatso HH the Dalai Lama. Braille Ohne
  Grenzen wurde sogar zwei mal ausgezeichnet:
- Sabriye Tenberken: ”For her role as World Human Rights Activist and Servant of the Blind”
- Braille Ohne Grenzen: ”For leading the Blind out of darkness”
- Kinderpreis, eine Auszeichnung für soziales Engagement für Kinder, vergeben durch den
  Junior-Verlag in Nürnberg 

 Potala Palace in Tibet

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