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SABRIYE TENBERKEN (1970, German)
Initiatorin des Projektes ist Sabriye Tenberken.
Sie ist seit Geburt sehgeschädigt. Eine angeborene fortschreitende
Netzhaut-Degeneration führte langsam zur Erblindung. Während
ihres Studiums an der Friedrich-Willhelms-Universität, Bonn, befasste
sie sich im Rahmen der Zentral-Asien-Wissenschaften mit den Schwerpunkten
"Tibet" und "Mongolei". Hinzu kam ein Intensivkurs der modernen chinesischen
Sprache. Als Nebenfächer wählte sie Philosophie und Soziologie.
Da sich zuvor noch kein Blinder an den Studiengang der Zentralasien-Wissenschaft
gewagt hatte, konnte Sabriye Tenberken auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen
und musste eigene Methoden zur Bewältigung des Studiums entwickeln.
Auf diese Weise entstand im Jahre 1992 eine tibetische Blindenschrift,
die auf der in Europa und Amerika bewährten Sechs-Punkte-Brailleschrift
basiert und die in ihrer Konzeption an das tibetische Silbenschriftsystem
angelehnt ist. Sie ist daher auch für tibetische Blinde, die bisher
keine eigene Blindenschrift hatten, leicht zu erlernen.
Tibetische Originaltexte liest Sabriye Tenberken mit
Hilfe eines Optacons, einer in Amerika hergestellten Kamera, die alle Schriftzeichen
in Impulse umsetzt und sie auf den Zeigefinger der linken Hand projeziert.
Ausserhalb des Studiums engagierte sich Sabriye Tenberken in der Hochschulpolitik.
So arbeitete sie drei Semester lang als studentische Behindertenbeauftragte
im Asta, dem Allgemeinen Studierenden Ausschuss der Universität Bonn.
Nach einem zweimonatigen Aufenthalt in Nepal und Tibet wurde sie im April
1994 vom Bonner Studierenden-Parlament für ein Jahr zur stellvertretenden
Asta-Vorsitzenden und im Januar 1995 von der Studierendenschaft als Vertreterin
der alternativen Fachschaftenliste in den Senat der Universität gewählt.
Im Sommer 1995 wurde sie Mitglied einer Senats-Strukturkommission, die
sich mit der Schaffung regionalwissenschaftlicher Schwerpunkte an der Bonner
Universität, bezogen auf Zentral- und Süd-Ost-Asien, beschäftigt.
Diese Schwerpunkte stehen im Zusammenhang mit dem Zentrum für Entwicklungsforschung
Nord-Süd.
In diesem Rahmen erarbeitete sie zusammen mit Professoren
und Doktoranden des Zentral-Asiatischen Seminars eine europaweit einzigartige
Konzeption für einen Diplomstudiengang "Regionalwissenschaften Zentral-Mittel-Asien",
in dem Studierende vornehmlich in Gegenwartskunde und moderner Sprache
des Mongolischen, Tibetischen oder Zentral-Asiatisch-Türkischen zu
ortskundigen Entwicklungshelfern ausgebildet werden sollen. Dieser Studiengang
wurde bereits im Winter 1995 genehmigt und konnte im Wintersemester 1996/1997
eröffnet werden. Aus Forschungsgründen reiste sie ohne sehende
Begleitung im Sommer 1997 nach Tibet. Ihr Interesse galt im besonderen den
Lebensbedingungen blinder Menschen speziell im tibetisch-sprachigen Raum.
In der Autonomen Region Tibet lernte sie blinde Jugendliche und Erwachsene
kennen, die ihr über ihre Lebensgeschichte sehr schnell vermittelten,
was Blindsein in Tibet bedeutet. Angeregt durch diese Gespräche erarbeitete
sie ein Konzept für ein Programm, in dem vorerst blinde Kinder unterrichtet
werden sollen. Sabriye Tenberken ist in Lhasa für die Koordination,
Organisation und Planung des Projektes verantwortlich. Sie übernahm
zu Beginn das Training der Ausbilder und den Blindenschriftunterricht der
Schüler. Diese Aufgabe wurde aber bereits an ausgebildete Lehrkräfte
des Zentrums weitergeleitet. Zuständig ist sie für die Kommunikation
mit chinesischen Behörden und internationalen Organisationen und wirbt
durch Medienauftritte und Präsentationen weltweit für das notwendige
Spendenaufkommen.
Bücher durch Sabriye
Mein Weg
führt nach Tibet
Autorin: Sabriye Tenberken
Fotos: Paul Kronenberg
Tashis neue Welt
Autorin: Sabriye Tenberken
Fotos: Olaf Schubert
PAUL KRONENBERG (1968, Dutch)
Der Niederländer Paul Kronenberg ist seit
Mai 1998, zusammen mit Sabriye Tenberken am Aufbau des Projektes beteiligt.
Er absolvierte vier Studiengänge in den technisch-wirtschaftlichen
Bereichen: Mechanical Engineering, Computer Science, Commercial Technology
und Communication System Science. Während seiner Ausbildungszeit arbeitete
er in unterschiedlichen Entwicklungshilfe-Projekten in Afrika, Osteuropa
und in China. Er war tätig beim Schweizer Roten Kreuz in Shigatse (Tibet)
als Konstrukteur und Bauleiter einer Katastrophen-Hilfs-Station und eine
Medizin Schule. Seine Projekt-Erfahrung und seine ausgezeichnete technische
und wirtschaftliche Schulung liessen ihn zu einem unentbehrlichen Projekt
Partner werden. Er übernahm die Buchführung, die Installation und
Pflege der Computer-Anlagen und die Computerschulung des Personals, zudem
leistet er alle notwendigen Reparaturen von Geräten und Schulausrüstung
bis hin zu Ausbesserungs-arbeiten an den Schul- und Wohngebäuden. Er
konstruierte die Pläne für den benötigten Neubau des Zentrums
und leitete zusammen mit einem chinesischen Baukonstrukteur den Neubau. Gemeinsam
mit Sabriye Tenberken erarbeitet Paul Kronenberg das Informationsmaterial
für das laufende Projekt, wie Broschüren, Flugblätter u.a.m.
und kümmert sich um Sponsoring.
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